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Woran denkst Du, wenn Du ‚Macht‘ und ‚Herrschaft‘ hörst?

Diese Frage bildete bei der diesjährigen Wissenschaftsrallye rund um den Hofgarten (13. Mai 2017) den Einstieg in die Station des Instituts für Geschichtswissenschaft, die unter dem Motto „Macht und Herrschaft – gestern und heute“ stand und vom Teilprojekt Öffentlichkeitsarbeit des SFB 1167 konzipiert wurde.

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Zu Beginn wurden die Schülerinnen und Schüler aufgefordert, ihren Assoziationen zu den beiden Schlüsselbegriffen des Sonderforschungsbereichs freien Lauf zu lassen. Während im Rahmen des Spannungsfeldes „Kritik und Idealisierung“ die Wahrnehmung vormoderner Macht und Herrschaft durch die Zeitgenossen untersucht wird, sollte diese Umfrage dazu dienen, einen Eindruck von den Vorstellungen heutiger Jugendlicher im Alter von 11 bis 18 von diesen beiden Begriffen zu gewinnen. Die Teilnehmenden wurden aufgefordert, drei Stichworte zu jedem der Begriffe aufzuschreiben, was jeweils zu rund 50 verschiedenen Antworten führte.

‚Macht‘ wurde dabei am häufigsten mit ‚Geld‘ und ‚Wissen‘ in Verbindung gebracht (jeweils neun Nennungen). Rechnet man die Stichworte ‚Reichtum‘ (5x) und ‚Besitz‘ (2x) noch hinzu, ergibt sich ein deutliches Übergewicht für diesen materiellen Aspekt. Auch ‚Politik‘ bzw. ‚Politiker‘ wurden oft genannt (zusammengerechnet 8x), daneben fielen Stichworte wie ‚Verantwortung‘ (4x), ‚Einfluss‘ (3x) und auch ‚Missbrauch‘ (3x).

Das meistgenannte Stichwort bei ‚Herrschaft‘ war unangefochten ‚König‘ (13 Nennungen sowie zwei weitere Nennungen als Beispiel für ‚Herrscher‘, das dreimal genannt wurde), gefolgt von ‚Monarchie‘ (9x). Ferner entschieden sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer für Begriffe wie ‚Diktatur/Diktator‘ (7x), ‚Demokratie‘ (5x), ‚Regierung/Regieren‘ (5x), Politik (4x) und auch hier ‚Geld‘ (3x).

Interessant ist, dass jeder der beiden Begriffe oft den jeweils anderen nach sich zog, was sicherlich nicht nur als „Verlegenheitslösung“ betrachtet werden sollte: So fielen im Kontext des Begriffs ‚Macht‘ achtmal die Begriffe ‚Herrschaft‘ bzw. ‚Herrscher‘, beim Begriff ‚Herrschaft‘ dachten ebenfalls acht Personen direkt wieder an ‚Macht‘.

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Achim Fischelmanns, Wissenschaftlicher Mitarbeiter im Teilprojekt Öffentlichkeitsarbeit, war gespannt, ob und wie oft Franz Beckenbauer an diesem Tag kurzzeitig zum Bundespräsidenten ernannt werden würde. © Volker Lannert | Universität Bonn

An diese Umfrage schlossen sich drei Aufgaben an, mit denen die Schülerinnen und Schüler auch an die anderen Projektbereiche des Sonderforschungsbereichs herangeführt wurden. So lernten die Teilnehmenden in einer an das Spannungsfeld „Konflikt und Konsens“ angelehnten Aufgabe den Bonner Vertrag des Jahres 921 kennen und spekulierten angeregt über die Frage, warum sich der westfränkische König Karl III., genannt „der Einfältige“, und der ostfränkische König Heinrich I. mitten auf dem Rhein getroffen haben könnten, um einen Freundschaftsvertrag zu schließen. Die meisten vermuteten dahinter militärisch-strategische Gründe, doch auch die Neutralität des Vertragsortes, einer Art symbolischen Grenze zwischen den Herrschaftsbereichen der beiden Könige, wurde von vielen erkannt: Durch das Treffen auf der Mitte des Flusses wurde die Gleichrangigkeit der beiden Herrscher betont, niemand genoss einen „Heimvorteil“.

Eine weitere Aufgabe befasste sich mit „Personalität und Transpersonalität“: In einer Art Memory-Spiel sollten zehn prominenten Gesichtern – beginnend bei Karl dem Großen bis hin zu den Spitzenkandidatinnen und -kandidaten der diesjährigen NRW-Landtagswahl – ihre ehemaligen oder aktuellen „Amtsbezeichnungen“ zugeordnet werden. Der Haken an der Sache: Während manche Funktionen auf mehrere Personen passten, waren mit Franz Beckenbauer, der bekanntlich den Spitznamen „Kaiser“ trägt, und Schlagersänger Jürgen Drews, dem selbsternannten „König von Mallorca“, auch zwei Personen vertreten, auf die keine der Bezeichnungen passte.

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Studiengangsmanager Dr. Simon Ebert betreut die Station des Instituts für Geschichtswissenschaft seit drei Jahren, Lehramtsstudentin und Studentische Hilfskraft Lisa Opp war zum ersten Mal dabei. © Volker Lannert | Universität Bonn

Die räumliche Dimension von Macht und Herrschaft, die im Spannungsfeld „Zentrum und Peripherie“ behandelt wird, war Teil einer letzten Aufgabe, bei der fünf verschiedene Landkarten vom 2. bis zum 21. Jahrhundert in die chronologisch richtige Reihenfolge gebracht werden sollten.

Auch wenn die eine oder andere Zuordnung verständlicherweise daneben ging, zeigten die teilnehmenden Schülerinnen und Schüler großes Interesse: Einer der jüngsten Teilnehmer verriet, dass er erst seit sieben Monaten in Deutschland lebt und mit dem Begriff ‚Herrschaft‘ noch nicht viel anfangen kann: gut möglich, dass sich daran durch die Wissenschaftsrallye etwas geändert hat.

 

Abbildung oben links: © Universität Bonn

 

(17.05.2017)

 

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