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Der SFB in dreieinhalb Minuten

Gemeinsam mit der Regisseurin und Medienwissenschaftlerin Janin Tscheschel entwickelte der SFB 1167 einen Kurzfilm, der anschaulich erklärt, was ein Sonderforschungsbereich ist, und welche Anliegen der Bonner Verbund verfolgt. Achim Fischelmanns und Jasmin Leuchtenberg sprachen mit der Filmemacherin über das Endergebnis.

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Ausgangspunkt für den Film war eine Frage, die wir vor zwei Jahren bei der Wissenschaftsrallye der Universität Bonn an 13- bis 17-Jährige gerichtet haben, und die wir zum Einstieg nun gerne auch Dir, liebe Janin, stellen möchten: Woran denkst Du, wenn Du Macht und Herrschaft hörst?

Erst einmal an nichts Gutes: an machtsüchtige Herrscher, die ihre Untergebenen unterdrücken und ausbeuten. Vielleicht auch an die Macht bestimmter Unternehmen, die durch das Sammeln von Daten, das Bilden von Monopolen und ihre finanzielle Kraft viel über uns wissen und uns in bestimmte Strukturen zwingen. Bestimmte technologische Errungenschaften lassen sich schließlich nur nutzen, wenn man im Gegenzug seine Daten preisgibt. Ich habe diesbezüglich manchmal das Gefühl, dass man auf der Strecke bleibt, wenn man sich dieser Preisgabe nicht beugt. Das ist für mich auch eine Form der Machtausübung.


Was hat Dich an diesem Projekt gereizt? Welche Herausforderungen gab es?

Mir gefällt es, an Image- oder Erklärfilmen beziehungsweise an dokumentarischen Formaten generell zu arbeiten. Man lernt als FilmemacherIn immer etwas Neues dazu und muss sich überlegen, wie man diese Informationen in eine besonders interessante, informative und dennoch leicht verständliche Hülle packt – immer an die Zielgruppe und natürlich auch an die Wünsche des Auftraggebers angepasst. Dabei alle Interessen unter einen Hut zu bringen, kann manchmal eine Herausforderung sein. Bei dokumentarischen Formaten arbeitet man oftmals mit Experten zusammen, die natürlich Spezialisten auf ihrem Gebiet sind, aber vielleicht noch nie an der Konzeption und Produktion eines Filmes mitgewirkt haben. Ich finde diese Zusammenarbeit immer besonders spannend, weil sie mir häufig noch einmal eine ganz neue Sichtweise auf das Filmemachen gibt. Oftmals kommen so ganz neue Ideen zustande und man hinterfragt seine eigenen Sehgewohnheiten. In diesem Zusammenhang haben wir beispielsweise ja auch viel über den Film diskutiert und so entstanden mehrere Versionen, in die immer neue Ideen eingeflochten wurden. Von der ursprünglichen Konzeption ist der Kerngedanke geblieben, aber ich denke unsere Arbeit – und das ist oft gerade bei dokumentarischen Formaten so – unterlag einer permanenten Modifikation, bis wir zu einem Endergebnis gekommen sind. Besonders gereizt hat mich an diesem Projekt, dass es ein animierter Film werden sollte. Mein Spezialgebiet umfasst eher die Aufnahme von lebenden Menschen. Das war für mich natürlich eine Herausforderung. Zugleich ist es ein sehr kreativer Prozess, denn mit Stift und Papier lassen sich natürlich Welten erschaffen, die man nicht vor der Haustür findet, um sie abzufilmen.

 

Es hat großen Spaß gemacht, sich mit Dir zusammen solche Welten auszudenken! Kannst Du uns denn sagen, aus wie vielen Einzelzeichnungen dieser Film ungefähr besteht?

Ja, es stimmt, die Figuren habe ich tatsächlich selbst mit Papier und Stift gezeichnet. Das mag in der heutigen Welt eine vielleicht etwas altmodische Methode sein, aber da ich keine Grafikerin oder Animationszeichnerin bin, kenne ich mich besser mit diesen Werkzeugen als mit einem digitalen Zeichenpad und der dazugehörigen Software aus. Ich habe die Zeichnungen nicht gezählt und oftmals hat mir auch der Kopierer geholfen, aber ich schätze, dass es gut 130 Zeichnungen sind. Koloriert habe ich die Bilder aber am Computer – das haben meine Photoshopkünste zugelassen. Im Prinzip habe ich jede Zeichnung eingescannt und somit digitalisiert auf meinen Computer gezogen.

 

Und wie hast Du diesen Zeichnungen dann „Leben“ eingehaucht?

Das geht durch ein simples Stop-Motion-Verfahren – ähnlich wie bei einem Daumenkino. Wollte ich beispielsweise den Effekt erzeugen, dass eine Figur nach oben guckt, habe ich mehrere Bilder schnell hintereinander abgespielt, in denen die Pupillen der Figuren immer ein Stück höher eingezeichnet waren. So kommt es dazu, dass eine Augenbewegung oft aus vier Einzelbildern besteht. Aber wie gesagt: der Kopierer hat geholfen und ich musste in einem solchen Fall nur die Pupillen immer wieder neu einzeichnen. Bewegung entsteht im Film ja eigentlich immer durch die schnelle Abfolge von statischen Bildern. Damit das Auge eine flüssige Bewegung wahrnimmt, müssen es mindestens 24 Bilder pro Sekunde sein. In diesem Film ist ja aber nicht alles ständig in Bewegung, deshalb musste ich nur etwa 130 Zeichnungen erstellen.

 

Das ist ja trotzdem eine ganz schöne Menge! Wo kann man denn mehr von Dir sehen und was für Filme machst Du, wenn Du nicht gerade einen Sonderforschungsbereich in Szene setzt?

Bei YouTube gibt es einige Filme von mir, bei denen ich entweder in einer bestimmten Rolle – zum Beispiel als Regisseurin, Cutterin oder Assistentin etc. – mitgewirkt oder deren Produktion ich komplett alleine übernommen habe. Da ich auch oft bei Musik- oder Konzertvideos mitwirke, wurden viele der Filme natürlich auch über die Seiten der Künstler und nicht über meinen eigenen Kanal veröffentlicht. Beim Erstellen von Musikvideos kann man sich besonders kreativ auslassen. Mir macht es auch sehr viel Spaß, mindestens einmal im Jahr einen Kurzfilm zu drehen. Das mache ich meistens zusammen mit Freunden im Rahmen des 99 Fire-Films-Award der Berlinale. Zu meinen liebsten Projekten zählen außerdem zwei Dokumentationen des Kölner Motorradreisenden Erik Peters, an denen ich mitwirken durfte. Er war mit seinem Bike in den letzten Jahren unter anderem auf Cuba und in Südostasien unterwegs. Demnächst wird es etwas von seiner Tour von Köln nach China zu sehen geben. Er ist mit seinem Motorrad die gesamte Strecke gefahren. Ich freue mich schon darauf, weil er ein großartiger Geschichtenerzähler ist.

 

Das klingt alles sehr interessant – oder um das Ende unseres SFB-Films zu zitieren: Danke, da schauen wir uns gleich mal ausführlicher um!
 

(11.09.2019)

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