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Eine wissenschaftliche „Verantwortungsgemeinschaft“: Sonderforschungsbereich 1167 feierlich eröffnet

Bereits am 1. Juli 2016 hatte der SFB 1167 „Macht und Herrschaft – Vormoderne Konfigurationen in transkultureller Perspektive“ an der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn seine Arbeit aufgenommen. Nun wurde das geisteswissenschaftliche Verbundprojekt, das von der Deutschen Forschungsgemeinschaft in der ersten Förderphase mit insgesamt rund 9 Millionen Euro gefördert wird, offiziell eröffnet.

Eröffnung

Matthias Becher, Sprecher des SFB 1167, eröffnete die Festveranstaltung. © SFB 1167

 

Mehr als 250 Interessierte fanden sich am 15. Dezember in Hörsaal I des Uni-Hauptgebäudes ein, um zunächst von Prof. Dr. Matthias Becher, Mittelalterhistoriker und Sprecher des SFB 1167, einen Einblick in die Struktur und Konzeption des neuen Projektes zu erhalten, das sich in zweifacher Sicht ‚Transkulturalität‘ auf die Fahnen geschrieben hat: Zum einen soll mit diesem Begriff betont werden, dass sogenannte Kulturräume niemals monolithische Einheiten bilden, sondern stets vielfältigen Einflüssen unterworfen sind und selbst Veränderungsimpulse geben; zum anderen wird dadurch das Ziel unterstrichen, die Grenzen der oftmals eurozentrisch geprägten wissenschaftlichen Fachkulturen zu überschreiten. Diese selbstgesteckte Aufgabe erscheint so notwendig wie ambitioniert, da an den 21 Teilprojekten des SFB die Fächer Ägyptologie, Anglistik, Archäologie, Germanistik, Geschichte, Indologie, Islamwissenschaft, Japanologie, Kunstgeschichte, Romanistik, Sinologie und Tibetologie beteiligt sind.

Unirektor Prof. Dr. Michael Hoch erinnerte in seinem Grußwort an die nervenaufreibende Zeit der Antragstellung und Begutachtung, in der das gesamte Rektorat mitgefiebert habe. Er verlieh seiner Freude Ausdruck, dass die Bonner Universität, die im Bereich der Naturwissenschaften bereits zahlreiche Sonderforschungsbereiche vorweisen kann, nun endlich auch wieder Heimat eines geisteswissenschaftlichen SFB ist. Wie wichtig dieser Erfolg für die Fakultät, die Universität und den Wissenschaftsstandort Bonn im Allgemeinen sei, betonte auch die Prodekanin der Philosophischen Fakultät, Prof. Dr. Claudia Wich-Reif.

Bernd Schneidmüller, Professor für Mittelalterliche Geschichte an der Universität Heidelberg und Festredner der Eröffnungsveranstaltung, zeigte in seinem Vortrag „Verklärte Macht und verschränkte Herrschaft. Vom Charme vormoderner Andersartigkeit“ in anspruchsvoller und zugleich unterhaltsamer Weise, wie facettenreich der Gegenstand ist, mit dem sich der SFB 1167 in den nächsten Jahren intensiv beschäftigen wird. Dabei sei die ehemalige Bundeshauptstadt Bonn laut Schneidmüller ideal dafür geeignet, Phänomene von Macht und Herrschaft fernab von den „Durchregierern dieser Welt“ mit der nötigen Distanz zu untersuchen und damit präziser zu fassen, wobei man sich eher auf die Aufdeckung von Paradoxien und Alteritäten als auf kurze und prägnante Neudefinitionen gefasst machen solle: Mit einfachen Herrschaftsauffassungen von Befehl und Gehorsam komme man bei der Beschäftigung mit vormodernen Ordnungen jedenfalls nicht weit, da diese zur Konfliktlösung und Friedenswahrung eher auf Konsens abzielende „Verantwortungsgemeinschaften“ gebildet hätten. Mit diesem Begriff, so stellte Schneidmüller abschließend fest, lasse sich zugleich auch beschreiben, worauf es in großen Forschungsverbünden – und damit auch in der alltäglichen Arbeit der rund 50 Mitglieder des neuen Bonner SFB – ankomme.

Von einem Bewusstsein gemeinsamer Verantwortung war auch die internationale Tagung „Macht und Herrschaft – Transkulturelle Zugänge“ geprägt, die an die Eröffnungsveranstaltung anschloss und am 16. und 17. Dezember im Universitätsclub stattfand. Forscherinnen und Forscher aus Mittelalterlicher Geschichte, Islamwissenschaft, Sinologie und Soziologie führten dem Verbund durch Fallstudien und Erfahrungsberichte vor Augen, mit welchen terminologischen und methodologischen Herausforderungen in den kommenden Jahren zu rechnen ist, aber auch, welche Potentiale und Perspektiven die in diesem Zuschnitt und Umfang einzigartige Verbundprojektstruktur ermöglicht.

 

(22.12.2016)

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