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Der SFB im Jahr 2019: 11,67 Monate Horizonterweiterung im Schnelldurchlauf

Der Gastvortrag von Fernanda Nussbaum (Caux/Schweiz) über Machtnetzwerke im Umkreis von María de Molina am 16. Dezember war die letzte öffentliche Veranstaltung des SFB 1167 in einem ereignisreichen Jahr 2019 – wir spulen noch einmal zum Anfang zurück…

Königspaar_Genfer See

Wer viel arbeitet, muss auch mal Pause machen: Das Königspaar aus dem Lewis-Schachspiel (National Museums of Scotland, Replikas) – Erkennungszeichen des SFB 1167 – erholt sich am Genfer See von den Strapazen einer Konferenz. Foto: © Florian Saalfeld | SFB 1167

Bereits bevor Stephan Müller (Wien) das Jahr 2019 mit seinem Festvortrag über die transkulturelle Dimension der Heiligen Drei Könige am 22. Januar offiziell einläutete, hatten sich die Mitglieder des SFB schon zu einem Spannungsfeldtreffen, zwei Gastvorträgen und einem Workshop zusammengefunden – keine ungewöhnliche Termindichte, wie auch die folgenden Wochen und Monate zeigen sollten.

Eine Woche nach dem Neujahrsempfang ging mit einem Vortrag von Martin Dinges (Stuttgart) über „Hegemoniale Männlichkeit“ die Ringvorlesung „Geschlechterdimensionen von Macht und Herrschaft“ zu Ende, zu der zuvor auch Claudia Opitz-Belakhal (Basel), Christina Lutter (Wien), Kerstin Palm (Berlin), Ina Kerner (Koblenz) und Cornelia Klinger (Tübingen) perspektivenreiche Vorträge beigesteuert hatten. Alle Gäste standen dem Team unseres Teilprojekts Öffentlichkeitsarbeit im Anschluss für Interviews zur Verfügung und vervollständigten jeweils acht Satzanfänge zum Thema ihres Vortrags und der Reihe. Weiter vertieft wurde die Thematik der Ringvorlesung dann im Herbst im Rahmen der Tagung „Geschlecht macht Herrschaft“.

Die zweite große Tagung des SFB im Kalenderjahr 2019 – und zugleich die letzte in der Reihe der vier Spannungsfeldtagungen, die den Projektbereichen unseres Forschungsverbundes gewidmet waren – fand im März statt: Sie nahm das Spannungsfeld C in den Blick und trug den Titel „Core, Periphery, Frontier – Spatial Patterns of Power“.

Neben diesen beiden Tagungen gab es zahlreiche kleinere Workshops, die eine große thematische Bandbreite abdeckten: Einen Schwerpunkt bildeten Veranstaltungen, in denen es um Visualisierungen von Herrschenden und Herrschaft ging: auf Münzen, Siegeln oder auch Gebäuden. Weitere Workshops thematisierten den Beitrag der Gesetzessammlung ‚Siete Partidas‘ für eine theoretische Grundlegung der Monarchie und das Potential der Performance Studies für die Erforschung vormoderner Macht und Herrschaft.

Ob auf Tagungen und Workshops oder bei Einzelveranstaltungen: Das ganze Jahr hindurch lieferten Gäste aus dem In- und Ausland dem SFB mit ihren Beiträgen anregende Impulse und bereicherten damit die Projektarbeit und interne Diskussionen. Eine Veranstaltung besonderer Art fand Anfang Mai im Universitätsclub statt: Zunächst stellte Dorothee Kimmich (Tübingen) im Rahmen eines Abendvortrags am 9. Mai ihr Konzept der ‚Ähnlichkeit‘ vor, das sie in ihrem vielbeachteten Essay „Ins Ungefähre“ als Wahrnehmungskategorie auffasst, mit der wir ordnen und (etwa über Imitation) lernen, wie auch als Gestaltungsform, mit der wir urteilen. Anschließend nahmen Elke Brüggen, Alheydis Plassmann und Wouter Goris in einer Podiumsdiskussion aus ihrer jeweiligen Fachperspektive Stellung zu Kimmichs Konzept und stellten Überlegungen zu Anwendungsmöglichkeiten für vormoderne Zeiten an.

Kimmich
Dorothee Kimmich bettete ihr Ähnlichkeitskonzept in ihrem Vortrag kulturtheoretisch und globalgeschichtlich ein und illustrierte es zuletzt exemplarisch anhand der wirkmächtigen, im Jahre 1902 in Buchform veröffentlichten Erzählung „The Heart of Darkness“ des polnisch-britischen Autors Joseph Conrad. Foto: Jasmin Leuchtenberg | SFB 1167

Am folgenden Vormittag fanden sich die Mitglieder des SFB 1167 mit Dorothee Kimmich zu einem Arbeitsgespräch zusammen, das Christoph Antweiler um seine ethnologische Fachkompetenz bereicherte. Im Mittelpunkt der anregenden Diskussionen standen Fragen der Bedeutung und Anschlussfähigkeit des Ähnlichkeitskonzeptes für ‚Moderne‘ und ‚Vormoderne‘, Möglichkeiten einer gemeinsamen, interdisziplinären Kategorisierung von Ähnlichkeitsbeziehungen im Dienste des transkulturellen Vergleichs sowie Optionen einer kulturtheoretischen Erweiterung dieses Konzeptes.

Schon einen Tag später stand dann eine ganz andere Zielgruppe im Mittelpunkt: Bei der Wissenschaftsrallye rund um den Hofgarten für 13- bis 17-Jährige, an der der SFB 1167 nun schon zum dritten Mal in Folge teilnahm, ging es um Machtsymbole, Herrschaftszeichen und Münzbilder. Neue Horizonte ergaben sich hierbei nicht nur für die Jugendlichen, sondern auch für die beteiligten SFB-Mitglieder, die vor der Herausforderung standen, ihre Inhalte für ein ungewohntes Publikum neu aufzubereiten.

Gleiches galt für den jährlich stattfindenden Forscher- und Kreativtag der Löwenburggrundschule Bad Honnef, bei dem im Juni 2019 Grundschulkinder unter dem Titel „Mythen, Mumien & Macht“ Einblicke in die Arbeit des ägyptologischen Teilprojekts erhielten, das bereits zu Beginn des Jahres eine Schulklasse durch das Ägyptische Museum geführt hatte. War die Faszination für Ägypten einmal geweckt, so konnte man das Gehörte durch einen Besuch der in Zusammenarbeit mit dem althistorischen Teilprojekt realisierten SFB-Sonderausstellung „Kaiserliche Pharaonen – pharaonische Kaiser“ vertiefen, die im Juni eröffnet wurde und hier noch bis ins nächste Jahr hinein zu sehen sein wird.

Im August wurde mit der Veröffentlichung eines SFB-Kurzfilms in deutscher und englischer Sprache, der in Zusammenarbeit mit der Medienwissenschaftlerin Janin Tscheschel realisiert werden konnte, der neue YouTube-Kanal des SFB 1167 eingeweiht.  

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Der Kurzfilm richtet sich an alle Altersklassen und möchte anschaulich vorführen, welche Ziele der SFB 1167 verfolgt. Die englische Version finden Sie hier: https://www.youtube.com/watch?v=KEaoKkCvMaw

Daneben waren Spätsommer und Herbst von der Arbeit am Fortsetzungsantrag für eine geplante zweite Förderphase und der Fertigstellung diverser Publikationen geprägt. Insgesamt erschienen in den beiden Schriftenreihen des SFB im letzten Quartal des Jahres gleich neun neue Bände, weitere werden Anfang 2020 folgen. Während diese Publikationen wichtige Erträge der vergangenen dreieinhalb Jahre zugänglich machen, lenkten einige Mitglieder des SFB das Augenmerk beim Dies Academicus der Universität Bonn am 4. Dezember vermehrt von obersten Herrschaftsträgern auf Eliten und ließen ihren Blick damit bereits zu neuen Forschungshorizonten schweifen.

Der SFB 1167 dankt all seinen Mitgliedern und Gästen für die produktive Zusammenarbeit in den zurückliegenden Monaten und wünscht schöne Weihnachtstage sowie einen guten Start ins neue Jahr!

 

(20.12.2019)

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