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Mehr als nur Schatzsuche

Unter diesem Titel gewährten drei SFB-Mitglieder im Rahmen eines Kinderuni-Vortrages Einblicke in die moderne Archäologie.

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Eingangs schilderte David Sabel (unten), Mitarbeiter im ägyptologischen Teilprojekt von Ludwig Morenz, mögliche Anlässe, um überhaupt mit einer Grabung zu beginnen. Er selbst forderte schon als Kind den Zufall heraus und suchte im Vorgarten seiner Eltern nach alten Gegenständen. Dass das gar nicht so abwegig war, zeigte Sabel anhand von Zeitungsmeldungen über archäologische Funde aus der unmittelbaren Umgebung der Kinderuni-Teilnehmerinnen und -teilnehmer. Er verwies etwa auf die Entdeckung einer merowingerzeitlichen Siedlung in Beuel und römerzeitliche Relikte aus Poppelsdorf.

Kinderuni_B+L+S_2Dem Glück nachhelfen können Archäologen mit Hilfe sogenannter geomagnetischer Prospektionen, mit denen sich magnetische Auffälligkeiten feststellen lassen, die auf Artefakte unter der Erde hinweisen können. Luftbilder und sogenannten Surveys, strukturierte Spaziergänge, bei denen die Forscherinnen und Forscher genauestens auf interessante Überreste achten, helfen ebenfalls dabei, vielversprechende Grabungsorte zu identifizieren.

Kinderuni_B+L+S_3Wie eine Ausgrabung im Einzelnen abläuft, erläuterte Simon Lorscheid (links), Mitarbeiter im Teilprojekt der Vor- und Frühgeschichtlichen Archäologie von Timo Bremer, anschließend am Beispiel eines Brunnens mit anschaulichem Bildmaterial. Brunnen, die Lorscheid als eine Art „Überraschungsei des Archäologen“ bezeichnete, sind für die heutige Wissenschaft eine wahren Fundgrube, da in sie oft allerhand Dinge des alltäglichen Lebens gelangten. Nach dem Abtragen des Oberbodens und der Erzeugung einer möglichst ebenen Fläche (Planum) werden die Befunde markiert. Es folgt die Fotografie, Vermessung sowie Beschreibung der jeweiligen Plana und Profile. Diese Schritte wiederholend, gräbt man sich immer tiefer und weiter in die Vergangenheit vor, bis man am Grund des Brunnens angelangt ist. An dieser Stelle wird der Restbefund entnommen und es kommt zum kleinen Moment der Schatzsuche, bevor die Funde am Ende gewaschen, verpackt und datiert in ein Depot gelangen.

Kinderuni_B+L+S_4Die Interpretation archäologischer Funde stellte abschließend Beryl Büma (links), Mitarbeiterin im Teilprojekt von Ludwig Morenz, vor. Eine zeitliche Verortung lässt sich zunächst durch Stratigraphie („Schichten zeichnen“) anhand der Position eines Fundes im Boden vornehmen, die eine relative Datierung erlaubt. Absolute Datierungen sind dagegen mit Hilfe von Münzen möglich: Vasen fungierten mitunter als „Spardosen“ und die Bildnisse der auf diesen Münzen abgebildeten Herrscher können dabei helfen, das Alter der Vase sowie der umliegenden Funde zu bestimmen. Bei organischen Überbleibseln, die nicht älter als 50.000 Jahre alt sind, kann zudem die sogenannte C14-Methode Anwendung finden, bei der das Alter eines Fundes anhand seines Kohlenstoffgehalts ermittelt wird.

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Der Vortrag der drei SFB-Nachwuchskräfte führte eindrucksvoll vor, wie viele Schritte notwendig sind, bevor ein ausgegrabener Fund irgendwann in einer Museumsvitrine bewundert werden kann – zum Beispiel im Ägyptischen Museum der Universität Bonn.

Neugierig geworden? Dann schaut/schauen Sie doch mal hier vorbei, denn das Museum hält zahlreiche Angebote für Kinder und Erwachsene bereit! Auch im Rahmen der Kinderuni gibt es dieses Semester noch einiges zu entdecken, wie ein Blick auf das vollständige Programm zeigt.

 

Fotos: Volker Lannert | Universität Bonn

 

(25.04.2018)

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