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Een jaar geleden… Mit ERASMUS zu Gast beim SFB

Vor einem Jahr hatte der SFB 1167 für vier Monate Besuch aus den Niederlanden. Daan Lijdsman (25), Geschichts- und Philosophiestudent aus Nijmegen, absolvierte beim SFB und am Institut für Geschichtswissenschaft ein Praktikum, lernte dabei aber nicht nur viel über Macht und Herrschaft, sondern auch über die deutsche Wissenschaftslandschaft im Allgemeinen. Wir sprachen mit Daan über seine Zeit in Bonn…

Lijdsman

Daan bei der Arbeit: Neben seinen eigenen Forschungen wirkte er auch als Teilnehmer und helfende Hand bei Workshops und Tagungen sowie bei der redaktionellen Betreuung eines SFB-Sammelbandes mit. Foto: © Achim Fischelmanns | SFB 1167

Lieber Daan, vor einem Jahr hast Du bei uns ein Praktikum gemacht. Wie kam damals der Kontakt zum SFB zustande?

Im Rahmen meines Masterstudiums in den Niederlanden war ich dazu verpflichtet, ein Praktikum im Ausland zu machen. Neben Deutschland kamen für mich auch Frankreich und Spanien in Frage, aber nachdem ich bei einem Blick auf die Website der Deutschen Forschungsgemeinschaft den SFB zu „Macht und Herrschaft“ entdeckt hatte, wurde mir schnell klar, dass mir dieses Forschungsprogramm am meisten zusagt. Auch nicht unwichtig war, dass einige Leute mir gesagt hatten, dass Bonn eine sehr interessante Stadt ist. Deshalb war ich sehr froh, als Professor Becher meine Anfrage positiv beantwortet hat.

Wie war es damals für Dich, in Bonn anzukommen?

Dadurch, dass ich als Zwischenmieter in eine WG einziehen konnte, lernte ich schon vor meinem ersten Arbeitstag zwei Personen kennen, die mir die Stadt zeigen konnten – das war natürlich super! Als ich dann zum ersten Mal an den Lehrstuhl von Herrn Becher kam, war ich zwar ein bisschen nervös, aber das erste Treffen mit meinen neuen Kolleginnen und Kollegen verlief sehr positiv. Viele Leute aus den Niederlanden hatten mich gewarnt, dass Hierarchien in Deutschland einen sehr hohen Stellenwert hätten, aber dieses Vorurteil wurde bald widerlegt. Ein schönes Beispiel dafür, wie flach in Deutschland Hierarchien sein können, waren die gemeinsamen Mittagessen, bei denen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sowie Hilfskräfte in lockerer Atmosphäre beisammensaßen und sich „auf Augenhöhe“ unterhielten.

Das klingt so, als hättest Du keinerlei Anlaufschwierigkeiten gehabt…

Oh doch, die gab es, aber vor allem in sprachlicher Hinsicht: Während es mir kaum Schwierigkeiten bereitete, deutschsprachige akademische Texte zu lesen, war das Zuhören in Gesprächen, geschweige denn selber zu sprechen oder zu schreiben, deutlich schwieriger. In der Schule hatte ich nur zwei Jahre lang Deutsch gehabt und inzwischen leider fast alles vergessen. Es hat mich aber sehr gefreut, wie alle es zu schätzen wussten, dass ich es immerhin probiert habe, Deutsch zu sprechen.

Wir haben es Dir oft aber auch wirklich nicht leicht gemacht, Dein Deutsch zu verbessern, weil wir häufig aus falscher Rücksichtnahme sehr voreilig ins Englische gewechselt sind, auch wenn Du selbst Dir ja vorgenommen hattest, nur dann auf diese Sprache auszuweichen, wenn Dir das deutsche Wort einfach nicht einfallen will…

Ja, das stimmt, aber wenn ich überlege, wie wenig ich bei dem ersten Treffen der SFB-Arbeitsgruppe „Die Frau(en) des Herrschers“ kurz nach meiner Ankunft in Bonn verstanden habe, und das mit dem Ende meines Praktikums vergleiche, habe ich das Gefühl, sehr gute Fortschritte gemacht zu haben. Während des Workshops „Der Herrscher und seine Eliten. Entscheidungsfindung im fränkisch-deutschen Reich“ wurde ich sogar einmal gefragt, ob ich aus Bayern komme! Geholfen hat es mir immer, wenn Veranstaltungen nicht ausschließlich in deutscher Sprache stattfanden. Wenn es zwischendurch auch englische Vorträge und Diskussionen gab, konnte ich irgendwie auch den deutschen Vorträgen automatisch besser folgen…

Das war und ist bei SFB-Veranstaltungen ja glücklicherweise oft der Fall. Sind Dir bestimmte Veranstaltungen besonders im Gedächtnis geblieben?

Vor ziemlich genau einem Jahr konnte ich an der Tagung „Vormoderne Herrschaften zwischen Konflikt und Konsens – Stabilität und Instabilität“ teilnehmen. Ich hätte vorher nicht zu hoffen gewagt, dass mir Vorträge zur Darstellung konsensualer Herrschaft in antiken chinesischen Quellen oder über „Tibets sakralen Herrscher zwischen Recht und Moral“ bei meinen Forschungen zu Blindheit im frühen Mittelalter helfen konnten, aber so war es! Ich fand es sehr interessant kennenzulernen, auf wie vielen unterschiedlichen Wegen man Elitenkultur untersuchen kann: literarisch, numismatisch, geografisch – und noch in vielerlei anderer Hinsicht…

Es freut uns, dass Du nicht nur sprachlich, sondern auch wissenschaftlich von Deinem Aufenthalt in Bonn profitieren konntest. Wie ging es denn nach dem Ende Deines Praktikums bei Dir weiter?

Nach meiner Rückkehr in die Niederlande habe ich angefangen, meinen Master in Geschichte und Philosophie abzuschließen, und ich hoffe, Anfang 2020 fertig zu sein. Die Forschung zu Blindheit ist jedoch nicht in der Schublade verschwunden, weil ich am International Medieval Congress in Leeds teilnehmen und meine Forschung dort einem internationalen Publikum präsentieren konnte. Diese Erfahrung war ziemlich cool, und ich bin dem SFB sehr dankbar, ohne den das nicht möglich gewesen wäre.

Verfolgst Du auch weiterhin das Geschehen im SFB? Hast Du Bonn nochmal besucht?

Natürlich! Noch immer lese ich regelmäßig den SFB-Infobrief und habe Kontakt mit Herrn Becher und einigen ehemaligen Kolleginnen und Kollegen. In Bonn war ich leider nur noch einmal übers Wochenende, aber ich hoffe, Ende dieses Jahres noch einmal zurückzukommen und alle Leute wiederzusehen. Ich könnte mir auch gut vorstellen, irgendwann wieder nach Bonn zu ziehen und hier eine Promotion zu beginnen...

Na, das wäre doch was! Dank u wel, Daan, en tot ziens!

 

(11.11.2019)

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