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Kommunikation formt Herrschaft: Herrscher und Eliten zwischen Symbiose und Antagonismus

Die digitale Abschlusstagung des SFB 1167 spannte vom 17. bis 19. Juni 2021 einen weiten Bogen vom 2. Jahrhundert v. Chr. bis zu modernen Mechanismen der Macht, vom Inkareich („Tawantinsuyu“, Reich der vier Weltgegenden) über die Iberische Halbinsel und (Ost-)Mitteleuropa nach Kaschmir und weiter bis nach China und Japan.

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Die Tagung rückte mit den vielschichtigen transkulturell und transhistorisch herausgearbeiteten Kommunikationswegen und -weisen zwischen oberster Herrschaftsgewalt und Eliten Aspekte in den Fokus, die sich gewinnbringend für die Erforschung von Macht und Herrschaft sowie Eliten einsetzen lassen. Diese soll auch künftig im Rahmen des Transdisziplinären Forschungsbereichs (Transdisciplinary Research Area, kurz: TRA) ‚Vergangene Welten – Zeitgenössische Fragen: Kulturen in Zeit und Raum‘ und vor allem des neuen Zentrums ‚Macht und Herrschaft. Bonner Zentrum für vormoderne Ordnungen und ihre Kommunikationsformen‘ der Universität Bonn fortgesetzt und vertieft werden.

Eliten tragen auch heute noch durch ihren Zugang zu materiellen und ideellen Ressourcen der Macht elementar zur Stabilisierung von Herrschaftsstrukturen bei. Ohne ein gelingendes Miteinander von oberster Herrschaftsgewalt und Eliten war ein funktionierendes Gemeinwesen auch schon in vormodernen Zeiten kaum denkbar. Kommuniziert wurde etwa über Keros (rituelle Trinkbecher), Textilien, Urkunden, Remonstrationen, Siegel, historiographische Zeugnisse, Inschriften oder Willebriefe.

Aus den Beiträgen und Diskussionen der Tagung ergab sich eine große Bandbreite für den Themenkomplex ‚Kommunikation‘ in vormodernen Herrschaftsstrukturen. Aushandlungen zwischen der obersten Herrschaftsgewalt und Angehörigen der Eliten bildeten Dynamiken der Konkurrenz und der Kooperation. Partizipation und Verständigung fanden dabei in allen untersuchten Räumen statt.

Kommunikation kann also als eine Form von Handlung begriffen werden, welche Interaktion schafft. Kommunikation und Interaktion bedingen einander. Dabei spielten nonverbale und symbolische Kommunikation, Trinkrituale, gelehrte Kommunikation, Verhandlungen materieller Grundlagen, literarische Techniken, Evidenzstrategien, Sprache sowie Verschriftlichungen von Hierarchieverhältnissen und Kritik eine entscheidende Rolle und wurden von den Akteuren bewusst und strategisch eingesetzt. Höfische (weltliche und geistliche) Eliten konnten etwa als Ratgebende oder als Vermittler in fremden Herrschaftsräumen fungieren.

Unabhängig davon, in welcher Art und Weise die Machtzuschreibung und Legitimation der Eliten stattfand, lag ihnen das Verständnis einer gemeinsamen Verantwortung zwischen Herrscher und Eliten zugrunde. Unter anderem durch kommunikationstheoretische Ansätze und das Konzept der Ähnlichkeiten lieferte die Tagung wichtige Impulse, um im Verständnis vormoderner Eliten künftig „feste Grenzen durch poröse Ränder“ (Anil Bhatti) zu ersetzen.

 

Einen ausführlichen Tagungsbericht von Anna Bücken und Lukas Müller finden Sie bei H-Soz-Kult (externer Link), Videomitschnitte der beiden öffentlichen Abendvorträge von Karoline Noack und Wolfram Drews in unserem YouTube-Kanal (externer Link).

 

Abbildung: Der Löwe als König der Tiere und sein Hof, aus: Li Romanz de Renart (Le roman de Renart / Reinecke Fuchs), Ms. français 1479, fol. 1, Paris, Bibliothèque nationale de France © akg-images

 

(30.06.2021)

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