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Die vielfältigen Facetten vormoderner Herrscherkritik

An der dritten großen interdisziplinären Tagung des SFB 1167 zum Thema „Kritik am Herrscher – Möglichkeiten, Chancen, Methoden“ (12.–14. April 2018) nahmen Gäste aus den USA, Argentinien, Großbritannien, Österreich, der Schweiz und Deutschland teil.

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Foto: © Achim Fischelmanns | SFB 1167

Die von Karina Kellermann, Alheydis Plassmann und Christian Schwermann organisierte Tagung brachte Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Anglistik, Germanistik, Geschichtswissenschaft, Hispanistik, Islamwissenschaft, Japanologie, Koreanistik, Kunstgeschichte, lateinischen Philologie und Sinologie in Dialog, um Ausdrucksformen der Herrscherkritik transkulturell und interdisziplinär zu perspektivieren.

Dem übergreifenden Anspruch des SFB 1167 wurde durch eine spezifische Struktur Rechnung getragen: Nach thematischen Gemeinsamkeiten ausgewählt präsentierten jeweils zwei Vortragende unterschiedlicher Fächer ihre Impulse zu Fragen der Herrscherkritik, die anschließend in einer moderierten Diskussion zueinander in Bezug gebracht wurden. Zur besseren Vergleichbarkeit der Einzelbefunde trug zudem ein vorab entwickelter Fragenkatalog bei.

Die Tagung führte vor Augen, dass vormoderne Herrscherkritik von mehreren Parametern bestimmt wurde: Freiräume für Kritik fielen in den diversen politischen Modellen unterschiedlich aus. Die frei formulierte spontane Kritik befindet sich an einem Ende des Spektrums, die Institution mit formalen Vorgaben am anderen Ende. Während Herrscherkritik im antiken und mittelalterlichen arabischen und ostasiatischen Raum anscheinend hochgradig institutionalisiert war, kannten der römische Prinzipat und das mittelalterliche Europa keine Ämter, die für die Kontrolle und Maßregelung des Monarchen zuständig waren.

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Am Abend des ersten Tages sprach Egon Flaig in einem öffentlichen Vortrag über „Herrschaftsformen im interkulturellen Vergleich. Differenzieren und Typisieren auf den Spuren von Max Weber“. Foto: © Christine Beyer | SFB 1167

Der direkten Kritik in dafür vorgesehenen Medien oder von dafür vorgesehenen Personen steht die indirekte Kritik gegenüber, die in unvorhersagbaren Formen und mitunter von Menschen außerhalb des Systems erfolgt.

Herrscherkritik ist ein Kommunikationsakt, der einer Änderung der Herrschaftsform oder auch der Selbstvergewisserung politischer Parteien dienen kann. Sie kommt dabei durchaus situationsbedingt in unterschiedlichen Gattungen zur Sprache, wobei die Gattung indes auch Einfluss auf die Methode der Kritik hat. So fanden sich subtile Kritikformen in vormoderner Zeit etwa häufig in fiktionaler Literatur, doch auch die Geschichtsschreibung bot hierfür Räume, wobei Monarchen hier meist erst nach ihrem Tod zur Zielscheibe von Kritik werden konnten. Im Wechselspiel von Herrscher und Eliten ist die Herrscherkritik ein Machtinstrument, das nicht nur der Herrscherlenkung dient, sondern gegebenenfalls auch auf Erhalt oder Wandel eines Systems zielen kann.

Ausführlichere Berichte von Felix Bohlen, Dominik Büschken, Paul Fahr und Sophie Quander finden Sie bei H-Germanistik (externer Link) sowie H-Soz-Kult (externer Link).

 

(15.08.2018)

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