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Mit dem König unterwegs im Himalaya (3/4): Auf unwegsamen Wegen

Unser König tummelt sich nicht nur auf Veranstaltungsplakaten und Infobroschüren – er kommt auch ganz schön rum. Insgesamt siebeneinhalb Monate lang war er mit Teresa Raffelsberger in Ladakh unterwegs, für die die schroffen Bergwelten auf dem Dach der Welt zu einem zweiten Zuhause geworden sind. Hier erzählt der König in vier Teilen, was Teresa und er auf ihrer Reise erlebt und herausgefunden haben…

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Kleine Pause auf dem Weg ins Zanskar-Tal. Wer oder was sich hinter diesem König verbirgt, kannst Du/können Sie im ersten Teil der Reihe nachlesen. Foto: © Teresa Raffelsberger | SFB 1167


Wer in so einer entlegenen und unwegsamen Region wie Ladakh forscht, muss viele Kilometer und Höhenmeter zurücklegen – notfalls auch zu Fuß. Auch wenn das Straßennetz in den letzten Jahren deutlich ausgebaut wurde, so gibt es nach wie vor einige Ortschaften und Klöster, die nicht mit dem Auto zu erreichen sind. Inmitten dieser imposanten Natur zu Fuß unterwegs zu sein, hat seinen ganz eigenen Reiz: So läuft man etwa durch zerklüftete Felslandschaften, vorbei an türkisfarbenen Flüssen, und erklimmt so Stein um Stein verborgene Klöster und hoch über den Tälern thronende Festungen. Umso besser, wenn die Anstrengung dann auch noch mit dem Fund einer königlichen Wandmalerei belohnt wird.

Doch was, wenn man weder zu Fuß noch mit dem Auto vorankommt? Als wir in Zanskar, einem Nebental von Ladakh, unterwegs waren, wurden wir von einem heftigen Wintereinbruch überrascht. Nachdem wir wenige Tage zuvor noch bei strahlendem Sonnenschein im Garten unseres Guest Houses gefrühstückt hatten, fing es eines Nachts plötzlich an zu schneien und hörte 24 Stunden nicht mehr auf. Aus dem Fenster sah man nur noch eine weiße Wand von dicken Flocken und die Schneedecke auf dem Dach unseres Hauses wurde immer höher. Zanskar, lediglich über einen 4500 m Meter hohen Pass zu erreichen, war komplett von der Außenwelt abgeschnitten – die einzige Straße hinaus für Wochen blockiert. Nachdem wir mehrere Tage – in dicke Decken gepackt und mit heißem Tee versorgt – die Zeit mit Karten spielen und Schneemann bauen (im September!) totgeschlagen hatten, konnten wir nach Ende des Schneefalls endlich einen Helikopter chartern, der uns in die Hauptstadt Leh zurückbrachte. Diesen Flug durch die schneebedeckte Berglandschaft des Himalaya werden wir so schnell sicherlich nicht vergessen!
 
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Wandmalerei im Kloster Phyang © Teresa Raffelsberger | SFB 1167


Zum Hintergrund:
Neben den im zweiten Teil dieser Reihe erwähnten Urkunden konnte Teresa Raffelsberger auf ihren Forschungsreisen auch eine Reihe von Wandgemälden dokumentieren, welche die Könige Ladakhs abbilden. Dieses Quellenmaterial ist bisher in der Forschung zur Geschichte Ladakhs kaum berücksichtigt worden, bietet aber für Fragen nach der Repräsentation, sozialen Ordnungsvorstellungen sowie der Rezeption der herrschenden Schicht eine hervorragende Grundlage. Die Malereien, insgesamt 15 Stück, stammen vermutlich aus dem 16./17. Jahrhundert, befinden sich meist in Tempeln und zeigen den Herrscher in seinem Umfeld. In den meisten Fällen handelt es sich um Festszenen im Beisein einer großen Menschenmenge, vier andere Gemälde zeigen den Herrscher bei der Huldigung geistlicher Würdenträger. Bestimmte Ausstattungsmerkmale und Attribute kennzeichnen den obersten Herrschaftsträger und die Mitglieder der königlichen Familie: beispielsweise charakteristische Kopfbedeckungen, Juwelen in den Händen, Ehrenschirme etc. Auch sakrale Elemente sind in manchen Malereien zu beobachten, wie etwa Gloriolen oder das aus der buddhistischen Philosophie stammende Goldene Rad. Diese spiegeln wiederum Konzepte wider, die sich auch aus den schriftlichen Quellen herauslesen lassen und die Könige als Götter oder Weltenherrscher inszenieren. Die Malereien können auch Aufschluss über die Stellung des Herrschers im Netzwerk sozialer Relationen geben: beispielsweise durch die Identifikation bestimmter Akteure und Personengruppen im Umfeld des Herrschers oder auch durch das dargestellte Verhältnis von Aristokratie und Klerus, König und Abt, welches beispielsweise mittels einer räumlichen Trennung der beiden Sphären, der Größenverhältnisse der Figuren oder deren Position im Bild verdeutlicht wird.

Was haben unser König und Teresa dank neu erschlossener Bild- und Schriftquellen denn nun über das ladakhische Königtum und das Verhältnis von Zentrum und Peripherie herausfinden können? Das berichten die Beiden hier in Kurzform am nächsten Mittwoch!
 


(25.03.2020) 
 

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