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Zentrum und Peripherie im Imperium Romanum

Auf Einladung des Teilprojektleiters Prof. Dr. Konrad Vössing (Abteilung für Alte Geschichte) hielt Dr. Eduard Nemeth (Babeș-Bolyai-Universität Cluj) am 24. Januar 2017 einen Gastvortrag über die römische Provinz Dakien.

Unter ihrem König Decebal (ca. 87–106 n.Chr.) stellten die Daker eine ständige Gefahr für die Römer an der unteren Donau dar. Durch zahlreiche ‚Grenzverletzungen‘ bzw. Einfälle ins Imperium Romanum riefen sich dakische Verbände immer wieder als ‚auswärtige Gegner‘ in Erinnerung, wobei es ihnen zunächst weniger darum ging, das Imperium zu attackieren, als vielmehr darum, die Notwendigkeit zu demonstrieren, sie weiter vertraglich einzubinden und mit Subsidien ruhig zu stellen. Am Ende wurden die Daker aber gewissermaßen Opfer ihres machtpolitischen (und wohl auch wirtschaftlichen) Erfolges: sie fielen durch ihre Herrschaftsstrukturen und ihren Reichtum aus der Kategorie einer typischen gens außerhalb der römischen Grenzen heraus. In zwei großen Feldzügen (101–2 und 105–6 n. Chr.) wurden sie schließlich unterworfen; ihr Siedlungsraum im Bereich des heutigen Rumänien (Siebenbürgen) und Moldawien wurde Provinzialgebiet.

Der Sieg und die Einrichtung der Provinz Dacia wurden in den römischen Quellen als große Erfolge dargestellt, bedeuteten in gewisser Weise aber auch ein Versagen der bisherigen ‚Außenpolitik‘ in dieser Region. Man war dazu gezwungen worden, sich nördlich der Donau dauerhaft, institutionell und mit großem Aufwand zu engagieren: Zwei Legionen und zahlreiche Hilfstruppen (insgesamt wohl ca. 30.000–40.000 Soldaten) mussten eingesetzt werden, fast ein Zehntel des römischen Heeres. Offenbar hielt namentlich Kaiser Hadrian, der anderswo die Eroberungen seines Vorgängers Trajan wieder aufgab, die strategischen Vorteile eines römischen Dakiens für unverzichtbar. Das Land wurde nicht nur militärisch, sondern auch durch eine Reihe von Infrastrukturmaßnahmen dauerhaft gesichert. Gemessen am Ertrag bedeuteten diese Anstrengungen eine erhebliche Belastung, die sich im 3. Jahrhundert zunehmend weniger lohnte. Denn die Bedrohung des Limes erfolgte nun weiter östlich (durch Karper und Goten), ohne dass Dakien dabei die frühere Sicherungsfunktion erfüllen konnten; die Folge war die Aufgabe dieser nördlichsten Provinz der Donaugrenze.

Das Beispiel Dakiens liefert dementsprechend interessante Einblicke in das wechselvolle Spannungsverhältnis zwischen Zentrum und Peripherie im Kontext der politischen und militärischen Verhältnisse der römischen Kaiserzeit.

 

(03.02.2017)

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