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Bilder und Zeichen. Fürstliche Repräsentation im Hoch- und Spätmittelalter

Der ursprünglich für Mai 2020 geplante Workshop des Teilprojekts „Bilder vom König. Macht und Herrschaft der ostfränkisch-deutschen Könige im Siegel- und Münzbild (936–1250)“ (Leitung: Andrea Stieldorf, Historische Grundwissenschaften und Archivkunde) wurde am 23. Oktober 2020 als Online-Veranstaltung nachgeholt.

Plakat_Workshop_Bilder und ZeichenNach einführenden Worten von Andrea Stieldorf, Mareikje Mariak und Maximilian Stimpert (Bonn) schilderte Johannes Hartner (Wien) den Beginn der Münzprägung im österreichischen Raum des 12. Jahrhunderts. Zahlreiche in seinem Vortrag vorgestellte Münzen zeigen eine nach oben ragende Hand, die möglicherweise den königlichen Handschuh als Symbol für die Verleihung von Marktrechten zur Legitimierung des (Münz- und) Marktrechtes nutzten. Auffällig sind aber auch die vielen Münzen mit mythologischen oder biblischen Motiven wie Kentauren, Herkules oder Samson im Löwenkampf, die den Kampf von Gut und Böse und den Sieg des Guten schildern – und damit vielleicht auf eine Visualisierung landesherrlicher Leistungsfähigkeit zielten. Viele dieser Münzen blieben lange schriftlos, was die Zuweisung heute erschwert, aber annehmen lässt, dass die Zeitgenossen, die die Münzen als Zahlungsmittel nutzen, die Motive deuten und zuordnen konnten.

Als nächstes stellte Frederieke Schnack (Kiel) die Bildelemente der Mindener Bischofssiegel zwischen 1250 und 1500 vor und konnte zeigen, dass seit dem 13. Jahrhundert ein besonderes Bedürfnis nach rechtlicher Präzision bestand. Dies kam etwa in der Schaffung eigener Elektensiegel zum Ausdruck, die den gewählten Bischof vor seiner Weihe nicht thronend, sondern stehend und noch ohne bischöfliche Insignien zeigten. Das bischöfliche Thronbild wurde ausgangs des 14. Jahrhunderts durch andere Darstellungsformen wie das Brustbild abgelöst, zudem spielten zunehmend Wappen eine Rolle, die mit dem Bistumswappen auf die amtliche Stellung und das Territorium des Bischofs verwiesen, während mit dem Familienwappen die Familienzugehörigkeit des Bischofs und die damit verbundenen Netzwerke in den Vordergrund gestellt wurden.

Um Siegel von Inhabern hoher Reichsämter und ‐würden im Byzanz des 11. Jahrhunderts ging es bei Nora-Sophie Toaspern (Leipzig/Passau). Auf den zweiseitigen Bleibullen der Amtsträger, die vor allem zum Verschließen von privater Korrespondenz genutzt wurden, spielte die Darstellung der persönlichen Religiosität des Siegelführers eine wichtige Rolle. Sowohl bei Inhabern administrativer als auch militärischer und religiöser Ämter stellt die Kombination aus einem Heiligenbild auf der einen Seite mit einer als Gebetsanrufung formulierten Inschrift auf der anderen Seite eine typische Form der Gestaltung dar. Es sind aber auch Siegel überliefert, die eine abweichende Repräsentationsstrategie erkennen lassen, indem sie neben dem Amt etwa besonders auf die familiäre Verortung des Siegelführers verweisen.

Um sich der Entwicklung der heraldischen Kommunikation auf mittelalterlichen Münzen zwischen dem 12. und 15. Jahrhundert auf breiter Basis nähern zu können, wertete Torsten Hiltmann (Berlin) die Datenbanken des Berliner Münzkabinettes mit Blick auf Verweise zu Wappen und heraldischen Darstellungen aus. Dabei zeigte sich, dass weltliche Münzherren Wappenbilder zwar konstant, aber insgesamt mit einem geringeren Anteil nutzten, wohingegen geistliche Münzherren Wappen zwar erst seit der Mitte des 14. Jahrhunderts verstärkt prägen ließen, diese dann aber zu einem vorherrschenden Münzmotiv wurden.

Steffen Kremer (Bonn) stellte abschließend Überlegungen zur Protoheraldik in der gotischen Wandmalerei vor und befasste sich mit Übergangsphänomenen zwischen als vor- oder protoheraldisch bezeichneten Darstellungen und vollausgebildeten Wappen an Beispielen aus Deutschland, Italien und der Schweiz. Im Zentrum seiner Betrachtungen stand die Wandmalerei einer Schlachtenszene (wohl aus den 1190er Jahren), die ursprünglich aus Artins (Frankreich) stammt und heute im Deutschen Burgenmuseum Veste Heldburg zu sehen ist. Dabei wurde deutlich, dass einige der dargestellten Schilde bereits Motive der späteren Heraldik (etwa gespaltener oder geteilter Schild, Farben) trugen, andere Elemente aber (noch) Parallelen zu Phantasiewappen oder einfachen Schildbeschlägen aufwiesen.

Zwischen den einzelnen Vorträgen und am Ende der Veranstaltung ermöglichte die digitale Form des Workshops angeregte Diskussionen unter Teilnehmerinnen und Teilnehmern aus verschiedenen Teilen Deutschlands sowie Österreich und England. Es zeigte sich dabei immer wieder, wie wichtig es ist, die untersuchten Bilder und Zeichen in regionale und überregionale Kontexte einzubetten, sie aber auch in intermediale Zusammenhänge zu stellen, um sich ihrer Funktion und Aussagekraft im Rahmen fürstlicher Repräsentation in angemessener Weise nähern zu können.
 

(16.11.2020)

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