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Conceptualización y normalización de poder y señorío en la era de Alfonso X

Unter diesem Titel („Konzeptualisierung und Normierung von Macht und Herrschaft in der Zeit Alfons X.”) nahm ein internationaler Workshop in spanischer Sprache die ‚Siete Partidas‘ in den Blick, eine unter Alfons dem Weisen (1221–1284) entstandene Gesetzessammlung in sieben Büchern, die nicht nur der juristischen Festschreibung seines monarchischen Regierungskonzeptes diente, sondern auch Symbolgehalt als Buch und Gesetzeskodex in seiner Gegenständlichkeit besaß.

Workshop_Siete Partidas

Foto: © Jesús R. Velasco

Die vom romanistischen Teilprojekt „Macht und Herrschaft in der novellistischen Weisheitsliteratur Kastiliens (1250–1350)“ organisierte Veranstaltung begann just an „Corpus“, wie man in Spanien kurz zu Fronleichnam sagt. An den Eröffnungsvortrag „Volkssprachliche Rechtsprechung“ von Jesús R. Velasco (Columbia University), der diese beiden Pole hinsichtlich des umfänglichen alfonsinischen Rechtskonzeptes sowie der fictio legis, aber auch der materiellen Bedeutung des Manuskripts als „Ort der Medialität“ ausführte, schlossen sich im Sinne der visuellen Konzeptualisierung von Macht und Herrschaft zwei kunsthistorische Vorträge an. Laura Fernández Fernández (Universidad Complutense de Madrid) erläuterte anhand des Titelbilds des Manuskripts Y-I-2 der Real Biblioteca del Monasterio de El Escorial die Repräsentation des Herrschers inmitten seiner Eliten bei der Übergabe von Recht und Herrschaft an seinen Nachfolger, während Susanne Wittekind (Universität Köln) eine systematische Deutung der visuellen Rahmung in der Londoner Handschrift der Primera Partida vornahm.

Aus linguistischer Perspektive nahm Johannes Kabatek (Universität Zürich) am Folgetag mit seinem Vortrag „Die Partidas: Sprache und diskursive Traditionen“ das Werk im Hinblick auf sein Verhältnis zu anderen Texten etwa des römischen Rechtes, der Fueros, aber auch der Codi in den Blick und attestierte den Siete Partidas den ihnen inhärenten Anspruch einer umfänglichen, quasi enzyklopädischen Verankerung des universellen Rechtes in kastilischer Sprache. Für den Historiker Daniel Alberto Panateri (Universidad Nacional de San Martín, Argentinien) liegt die Besonderheit der Siete Partidas bereits im spezifischen konzeptionellen Zugang, wie er in seinem Vortrag „Gesetzgebung im alfonsinischen Diskurs. Königliche Autorität und Rechtsnorm im Kastilien des 13. Jahrhunderts“ ausführte: Von dem alfonsinischen Anspruch, alle Machtkonstellationen zwischenmenschlicher Interaktion zu erfassen und zu definieren, wird von der Komplexität auf das Einzelne geschlossen, wobei die Ähnlichkeit als Maßstab ausschlaggebend ist. Elaine Cristina Senko Leme (Universidade Estadual do Oeste do Paraná, Brasilien) führte in ihrem Beitrag „Die orientalische Weisheitstradition in den Siete Partidas des Königs Alfons X“ die zahlreichen transkulturellen Einflüsse aus, die von der biblischen Gestalt des Königs Salomo bis zu Aristoteles sowohl orientalischer wie auch thomistischer Prägung reichen und Eingang in das Werk fanden. Nachdem José Manuel Fradejas Rueda (Universidad de Valladolid), ausgehend von seinem groß angelegten Projekt einer elektronischen Ausgabe sämtlicher Versionen des alfonsinischen Gesetzestexts, Editionsformen der „Siete Partidas: vom Pergament zum Internet“ vorgestellt hatte, wurden anhand konkreter Analysefragen und Rechercheoptionen interdisziplinäre Forschungsperspektiven der Digitalisierung der Siete Partidas sowie anderer Text- und Bilddokumente diskutiert. Verfügbarkeit, Nachhaltigkeit und sinnvolle Konfigurationen von Forschungsdaten – Texten wie Datenbanken – wurden grundsätzlich in den Fokus genommen und Erfahrungen ausgetauscht.

Am letzten Tag des Kolloquiums wurden schließlich spezielle Aspekte der Siete Partidas und ihre grundsätzliche Bedeutung für das Verhältnis von Macht und Herrschaft unter Alfons X. und zu Beginn des 14. Jahrhunderts in den Blick genommen. Der Rechtshistoriker Félix Javier Martínez Llorente (Universidad de Valladolid) führte in seinem Vortrag „Die rechtliche Stellung des Adels in den Siete Partidas: Zum Ursprung der Adelstitel“ die normativen Implikationen und ihre politischen wie sozialen Konsequenzen aus, die letztlich zu Aufständen des Adels führten. An diese Problematik knüpfte auch Francisco Ruiz Gómez (Universidad de Castilla-La Mancha) an, indem er über das Thema „Der Verrat an König und Königreich und seine Bestrafung in den Partidas“ referierte.

Der intensive interdisziplinäre Austausch während des Workshops verdeutlichte die eminente Relevanz der Siete Partidas als Grundlegung der alfonsinischen Monarchiekonzeption und berücksichtigte dabei auch die Bedeutung der Legitimität für die Stabilisierung von Herrschaft nach Max Weber.
 

(09.07.2019)

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