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Die Frau(en) des Herrschers/Weibliche Herrschaft

ITW Frauen des HerrschersGeschlechterbezogene Konfigurationen von Macht und Herrschaft sind für den SFB 1167 von großem Interesse: Wir verstehen ‚Geschlecht‘ als moderne Analysekategorie, die dazu dienen soll, historisch veränderbare soziale und kulturelle Machtverhältnisse aus einem ganz bestimmten, aber elementaren Blickwinkel zu analysieren. In methodischer Hinsicht ist es dabei wichtig, Unterschiede wie Ähnlichkeiten zwischen heutigen, ‚modernen‘, und damaligen, ‚vormodernen‘, sozialen und kulturellen Rollenzuschreibungen auszumachen beziehungsweise vermeintlich feststehende Narrative als solche zu hinterfragen.

Die ITW „Die Frau(en) des Herrschers/Weibliche Herrschaft“ hat sich im Rahmen dieser Bemühungen das Ziel gesetzt, die in den unterschiedlichen Teilprojekten zum Thema spezifisch weiblicher Ausübung von und Partizipation an Herrschaft unternommenen Aktivitäten zu bündeln und miteinander in Beziehung zu setzen. Wenngleich die Forschung dies aus ganz unterschiedlichen disziplinären Blickwinkeln zunehmend seit dem letzten Viertel des 20. Jahrhunderts in den Blick genommen hat, erscheint ein transkultureller Vergleich als Zugang zu diesem Phänomen noch so gut wie gar nicht erprobt. Während es in der europäischen Mediävistik insbesondere um weibliche agency, im Sinne von Handlungsmöglichkeiten und tatsächlichen Handlungsfähigkeiten geht, erschien es gerade aus transkultureller Perspektive ratsam, grundsätzlicher nach Darstellung und Wahrnehmung der Frau(en) im Umfeld des Herrschers zu fragen.

Plakat_Tagung_Geschlecht macht HerrschaftIn der konkreten Arbeit der ITW stellte sich schnell heraus, dass der Blick neben der Frage der Partizipation von Frauen an Macht und Herrschaft auch auf das Phänomen von Frauen als Herrscherinnen und ihre Darstellung und Imagination in vormodernen Text- und Bildquellen erweitert werden sollte. Die Grenzen zwischen diesen Erscheinungsformen müssen dabei als fließend beschrieben werden (besonders augenfällig wird dies etwa im Phänomen der Regentschaft).

Insofern fragt die ITW nunmehr in einem zweiten Schritt, inwiefern sich so etwas wie spezifisch ‚weibliche Herrschaft‘ feststellen lässt. Zudem ist aus der ITW eine gender reading group hervorgegangen, die in regelmäßigen Treffen Klassiker der gender-Forschung diskutiert und für die eigene Forschung fruchtbar zu machen sucht, indem deren Thesen mit Fallbeispielen aus den Teilprojekten in Beziehung gesetzt werden.

Mehr zum Thema: Um geschlechterspezifische Rollenzuschreibungen ging es auch in der Ringvorlesung „Geschlechterdimensionen von Macht und Herrschaft" (Wintersemester 2018/2019) sowie im Rahmen der Tagung „Geschlecht macht Herrschaft“ (30.09.–02.10.2019). Die Ergebnisse beider Veranstaltungen werden derzeit für den Druck vorbereitet und werden in der SFB-Schriftenreihe „Macht und Herrschaft“ erscheinen.
 

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